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"Opel nicht zu verkaufen" - GM weist Offerte zurück

 


Mittwoch, 19. November 2008

"Opel nicht zu verkaufen"GM weist Offerte zurück


In der Krise beim Autobauer Opel müssen einfache Mitarbeiter wie hochrangige Manager mit Einschnitten rechnen. Nach den Plänen der Unternehmensführung soll die Produktion in fast allen europäischen Werken zurückgefahren werden. In der Folge will Opel auch die Arbeitszeit kürzen. Bonuszahlungen und Prämien für Opel-Führungskräfte in Europa werden laut einem Zeitungsbericht ab sofort gestrichen.
 
Der Solar-Konzern SolarWorld bot am Mittwoch überraschend an, die deutschen Opel-Standort zu übernehmen. SolarWorld wolle die Tochter des angeschlagenen US-Autoriesen General Motors (GM) dann "zum ersten 'grüne' europäischen Autokonzern weiterentwickeln", teilte das Bonner Unternehmen mit. Die Bedingungen, die SolarWorld dafür stellte, machen ein solches Geschäft allerdings wenig wahrscheinlich. GM erteilte einer Trennung von seiner Tochter Opel prompt eine klare Absage. "Opel steht nicht zum Verkauf", sagte ein Konzern-Sprecher am Mittwoch in Detroit. Solche Überlegungen seien "pure Spekulation".
 
Hessen bereitet sich vor
 
Der hessische Landtag ermöglichte in seiner vorerst letzten Sitzung am Mittwoch eine Staatsbürgschaft für Opel: Einstimmig setzte das Parlament die Höchstgrenze für Landesbürgschaften um 500 Mio. Euro herauf. So soll gegebenenfalls dem Autobauer und seinen Zulieferern unter die Arme gegriffen werden können.
 
Opel bemüht sich um eine Bürgschaft von Bund und Ländern, um für den Fall gewappnet zu sein, dass im Falle einer Insolvenz der Konzernmutter die Geldströme abreißen. Opel mit seinen bundesweit knapp 25.700 Mitarbeitern macht etwa drei Viertel des GM-Europageschäfts aus. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" braucht Opel im "schlimmsten anzunehmenden Fall" eine Bürgschaft über 1,8 Mrd. Euro in den Jahren 2009 und 2010. Die Summe wurde in Unternehmenskreisen am Mittwoch weitgehend bestätigt. Die Bundesregierung will bis Weihnachten entscheiden.
 
Demant breitet Krisenplan aus
 
Nach Angaben von Opel-Chef Hans Demant plant der Autobauer mit Stammwerk in Rüsselsheim eine deutliche Reduzierung der Produktion in fast allen europäischen Werken. "Wir bereiten uns auf schlechte Zeiten vor und korrigieren unsere Volumenplanung für 2009 um gut zehn Prozent nach unten", sagte Demant der "FAZ".
 
Als Folge werde über eine 30-Stunden-Woche diskutiert, sagte Opel- Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der "FAZ". Das betreffe alle europäischen Werke "mit Ausnahme von Rüsselsheim, weil dort der neue Insignia anläuft". Während die gerade begonnene Produktion des Mittelklassemodells derzeit eine gute Auslastung in Rüsselsheim garantiere, seien in Werken wie Bochum, Eisenach, Antwerpen und Saragossa Unterauslastungen zu erwarten, schreibt die Zeitung. Ein Opel-Sprecher betonte, es sei gemeinsames Ziel von Management und Betriebsrat, die Einschnitte ohne Stellenabbau zu bewältigen.
 
Einen Bericht der "Bild"-Zeitung (Mittwoch), wonach Opel- Führungskräfte ab sofort auf Bonuszahlungen, Prämien und sonstige Sondervergütungen verzichten müssen, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Laut "Bild" gilt die Verfügung von GM-Europachef Carl-Peter Forster für die nächsten 14 Monate für die oberen Management- Ebenen an allen europäischen Standorten.
 
Porsche-Chef für Staatshilfe
 
Nach Ansicht von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sollten Staatshilfen für Opel geprüft werden. "Ich glaube, man muss sich das durch den Kopf gehen lassen", sagte Wiedeking. Opel sei aber unter den deutschen Autobauern als Tochterunternehmen des krisengeschüttelten US-Konzerns GM ein Sonderfall. Ein Subventions-Wettlauf der Automobilhersteller sei deshalb nicht zu befürchten.
 
Auch EU-Industriekommissar Günter Verheugen bezeichnete die Opel- Probleme als "Sonderfall" in Europa. "Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen", sagte Verheugen vor dem Europaparlament in Straßburg. Opel sei ein wettbewerbsfähiges Unternehmen, das durch GM in eine Notlage gezogen werde. Keiner könne ein Interesse daran haben, dass Opel vom Markt verschwinde.
 
Solarworld-Angebot "todernst"
 
Der Chef der SolarWorld AG, Frank Asbeck, sagte, sein Angebot sei ernst gemeint. "Wir haben eine Milliarde Euro liquide Mittel zur Verfügung", sagte Asbeck. Als "Kernvoraussetzung" für die Abgabe eines Angebots nannte SolarWorld - ein Entwickler und Hersteller von Solaranlagen - die komplette Trennung aus dem GM-Konzern sowie "eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro pro deutschem Arbeitsplatz (insgesamt eine Milliarde Euro)". Es gehe um die Übernahme der Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern sowie des Entwicklungszentrums.
 
Die im TecDax notierte SolarWorld-Aktie stürzte nach der Mitteilung ab: Am Nachmittag lag sie noch knapp 14 Prozent im Minus bei 14,10 Euro.
 
Bitten und Betteln in Washington
 
Unterdessen unterstrichen die Chefs der drei großen US-Autobauer GM, Ford und Chrysler ihr Verlangen nach um einen neuen Milliarden-Staatskredit. Ein neuer Kredit in Höhe von 25 Milliarden Dollar (20 Mrd Euro) sei nötig, "um die Liquiditätskrise zu überleben", sagte Chrysler-Vorstandschef Robert Nardelli am Dienstag vor einem US-Senatsausschuss.
 
GM-Chef Rick Wagoner warnte vor "katastrophalen gesellschaftlichen Folgen", sollte die heimische Autoindustrie untergehen. Wie seine beiden Kollegen versprach auch Ford-Chef Alan Mulally tiefgreifende Reformen und neue Modelle.
 
Die US-Demokraten um den künftigen Präsidenten Barack Obama wollen die 700 Mrd. Dollar aus dem Banken-Rettungspaket der Regierung anzapfen, um den schwer angeschlagenen Autobauern zu helfen. Präsident George W. Bush und die meisten Republikaner lehnen das ab.

Angriff auf die Mittelklasse Opel Insignia



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